Kammeroper/Musiktheater
* = Klangbeispiel
in der Audiogalerie
Galaxy Hotel * (2006/2007)
Multimediales Musiktheater nach Motiven von Haruki Murakami und Florian Bergmeier.
2 Sprecher (1 männlich, 1 weiblich), Tenor, 1 Schauspieler (stumm)
Besetzung: Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Keyboard, Schlagzeug,
Live-Cam, Live-Elektronik, CD, Video
"I saw myself on the earth from out of space on a Hotel TV was where I
was was the time I knew I had escaped " (Florian Bergmeier)
Der Held des Geschehens
befindet sich im Zustand des Reisens, lebt in Hotelzimmern, sitzt vor dem Fernseher
und sieht sich zuweilen selbst über eine Kamera aus dem All im Hotelzimmer
vor dem Fernseher sitzen. Er ist ein scheinbar "Beziehungsloser",
zu dem der Zuhörer über die subjektive Kamera Gelegenheit hat, Beziehungen
verschiedenster Art zu empfinden.
Imitation of life (2004/2005)
(UA: 6.Mai 2005 durch ensemble Intégrales, Hamburgische Staatsoper, siehe
auch Diskographie, Gastspiel im Rahmen der Bregenzer Festspiele am 4. und 6.8.04
)
Multimediales Musiktheater in Zusammenarbeit mit Felix Kubin nach Motiven von
Bret Easton Ellis und David Lynch
6 Schauspieler, Tenor, Saxophon, Klarinette (Es und Baß), Violine, Kontrabaß,
Keyboard, Schlagzeug, Live-Elektronik, CD, Video
Imitation of Life
basiert auf Motiven aus den Romanen Glamorama und American Psycho des amerikanischen
Autors Bret Easton Ellis und auf Filmen von David Lynch, vor allem Lost Highway.
Ellis beschäftigt sich in seinem Werk mit aktuellen gesellschaftlichen
Phänomenen der westlichen Welt: der Angst vor dem Terror, der Verdinglichung
des Menschen, Marken und Models als Ikonen der Warenwelt, die wie die neuen
Götter angebetet werden und der Welt der Medien, die diese Ikonen entsprechend
inszeniert. Die szenische Lösung basiert auf dem Motiv, um das der Roman
Glamorama permanent kreist: Models auf dem Catwalk. Nur, dass in diesem Falle
die Modenschau nicht zur Präsentation von Kleidern o.ä. dient, sondern
der Rhythmus des katzenhaften Gleitens von Menschen, die als Projektionsfläche
für Bilder und Phantasien dienen, selbst dargestellt wird cool,
unnahbar, unkalkulierbar.
Lancelots Spiegel (1996-2000)
(UA: 19.November 2003, Graz, Steirischer Herbst, siehe auch Diskographie))
Kammeroper nach Texten des Prosa-Lancelots (13./14.Jahrhundert)
in mittelhochdeutsch und hochdeutsch
Sopran, Mezzosopran, Altus, Tenor; Picc-Flöte, Flöte/Altflöte,
Oboe/Oboe damore/Englisch Horn, Sopran-/Altsaxophon, Klarinette in Es,
Baßklarinette, Horn; 2 Trompeten in C/Picc.-Trompeten, 2 Posaunen; Harfe,
Gitarre, Celesta, Klavier, Akkordeon, 2 Violinen, Viola, 2 Violoncelli, 2 Schlagzeuger
Lancelot ist auf
der Suche nach dem Leben. Leben bedeutet Identität. Über die weiß
Lancelot nicht viel. Es ist ihm lediglich klar, daß er den Auftrag hat,
siegreich aus Aventuren und Schlachten hervorzugehen, was ihm leicht gelingt.
Weder weiß er, woher dieser Auftrag kommt, noch was dieser Auftrag mit
ihm zu tun hat. Also empfindet er eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber
dieser ?Lebensaufgabe. Beruflich also macht er ungehindert eine brilliante
Karriere und würde in unserer Zeit einen redegewandten und erfolgreichen,
im Rampenlicht stehenden Politiker abgeben.
"metrostation" Musiktheater 2005
nach Motiven von Haruki Murakami
Besetzung: E-Gitarre (table), Video, CD
UA"Eclat"-Festival Stuttgart, 29.1.05
Der Ort Bahnhof stellt
für die öffentliche Ordnung eine permanente Bedrohung dar. Er hat
unendlich viele Ein- und Ausgänge nicht nur auf der Oberfläche, sondern
auch ins weit verzweigte Tunnelnetz der U-Bahnen. Neben Reisenden ziehen diese
Orte auch die ortlosen, entwurzeltten Bewohner der Städte an: Rumtreiber,
Drogenabhängige, Obdachlose. Um diese zu vertreiben, da sie das Bild und
die Geschäfte stören, wird am Hamburger Hauptbahnhof ein besonderes
Mittel gewählt: Sowohl der Bahnhofsvorplatz, als auch die Gänge des
U-Bahnsystems unter dem Bahnhof werden mit klassischer Musik beschallt. Diese
soll, so haben Studien ergeben, den Drogenabhängigen das Verweilen an diesem
Ort unerträglich machen - Klassik als sozialhygienische Waffe.
Der Wunsch durch
klassische Musik den Ort Bahnhof zu' säubern' reagiert auf einlatentes
Gefühl der Bedrohung, das den Reisenden unweigerlich in diesen weitverzweigten
Tunnelsystemen befällt. Ein Gefühl, das die Erlebnisberichte über
den Giftgasanschlag auf das U-Bahnnetz in Tokio, die Haruki Murakami in seinem
Buch 'Untergrundkrieg' gesammelt hat, auf erschreckende Weise konkretisieren.
Diese Berichte sind sowohl Zeugnis der terroristischen Bedrohung, der sich gerade
heute viele Reisende ausgesetzt sehen, wie Gleichnis für die unsichtbare,
schleichende Angst, die sich in den Röhren und Tunneln ausbreitet.
Im musikalischen
Zentrum der Szene steht die E-Gitarre, die motivisch die Szene bedient und damit
einen direkten Bezug zu den geschilderten Erlebnissen der Darsteller schafft.
Dieses musikalische Live-Geschehen wird mittels Samples zur klassischen Musik
aus dem Tunnelsystem des Hamburger Hauptbahnhofes in Beziehung gesetzt. Die
live- und die vorproduzierte Ebene kontrastieren und bilden unerwartete Schnittmengen.
Der Video-Künstler Timo Schierhorn hat Video-Sequenzen von menschenleeren
U-Bahnhöfen erstellt, die frei von Werbung und Leben wie architektonische
Installationen wirken. In Auf-und Abblenden der Raumsituation bekommt die scheinbare
Bedrohung eine zentrale Bedeutung, vor allen Dingen, da die Sequenzen in eine
immer schneller werdende Fahrt durch die U-Bahnschächte münden.
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