Burkhard Friedrich
   

no significant change


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‘Es war etwas und wird nichts - Heißt es nicht ebenso viel als: es war nichts und wird nichts und um nichts wird kein Wort mehr gewechselt’ (Franz Moor in : Friedrich Schiller “Die Räuber”)

Treatment

no significant change - keine bedeutsame Veränderung - Der Held des Geschehens befindet sich im Zustand des Reisens, lebt im Hotelzimmer und trifft sich zuweilen mit der Norwegerin Lena im Restaurant oder im Hotel.

Seine Abwesenheit vom Weltgeschehen spiegelt seine romantische Sehnsucht nach Heimat wieder. Ein hochaktuelles Thema: War es zu Zeiten Schillers der Blick in die Ferne, der die Gesellschaft mit Sehnsucht erfüllt hat, so ist es heute die Mobilität, die die trügerische Möglichkeit schafft, der Einsamkeit zu entfliehen und seine Heimat in ferne Länder zu projezieren.

Das Erleben des Protagonisten beschränkt sich auf sein Dasein auf engstem Raum in der Weite des Universums. Die einzige Kontinuität und Stabilität wird von einem Stück Holz repräsentiert, das im Hafenwasser dümpelt und damit sein Heimatgefühl realisiert.Die Videoprojektionen stellen die Leichtigkeit seines Lebens dar: Der Blick der Kamera in die Baumkronen, den Himmel während des Unterwegsseins, auf die Weite des Hafens und des Wassers. Tom Waits song “Time” beschreibt die Zeitlosigkeit und Unendlichkeit seines Fühlens und Denkens. Fast bekommt man den Eindruck, er lebe jenseits von allem Lebendigen und blicke aus der Vogelperspektive zurück.

Der Protagonist und die Szenerie dienen dem Publikum als Projektionsflächen der eigenen Sehnsüchte. In Lena hat er die Verkörperung seines Sehnens nach Ferne gefunden und nur das interessiert ihn an ihr. Sie ist Norwegerin und spricht auch nur norwegisch, so dass eine konkrete Verständigung gar nicht möglich ist.

Die großen Bögen in der Musik tragen den episodenhaften Charakter des Geschehens. Klangverdichtungen wechseln sich ab mit lichten, transparenten Abschnitten, die die jeweilige Disposition des/der Protagonisten widerspiegeln und transformieren.
Die Zuspielbänder transportieren bereits Gehörtes über die verteilten Lautsprecher in eine räumliche Dimension, in der das Traumhafte des Zustandes des Protagonisten fast real wird. In dieser Raumdimension bewegen sich die Sprechstimmen der Erzähler und der beiden Protagonisten.

Zitate:

 
‘Ihm fällt wieder ein, wie weit er ausholen müsste, um sich jemandem verständlich zu machen.’
Im gemeinsamen Schweigen (in wessen Sprache auch immer) scheinen sie sich anzunähern.
‘Er wird im Hotel sitzen und mit einem Schulterzucken auf das Treiben vor seinem Fenster starren.’
Er ist von gesellschaftlich notwendigen Verhaltenskodexen umgeben, jedoch gehen sie ihn nichts (mehr) an. Er hat seine Welt gefunden, in der er sich bewegt: Fern von Zwängen und von Eitelkeiten.
Moderatorin und Moderator kommentieren das stumme Dasein des Protagonisten aus seiner subjektiven Perspektive; jedoch in der 3.Person.
 
Sie sind nicht immer lokalisierbar und oft mit der musikalischen Ebene eng verwoben. Auch hier spielt die ‘Abwesenheit’ eine zentrale Rolle: Die Musiker entfernen sich in Wiederholungsteilen sowohl voneinander, als auch von den vorproduzierten Teilen, so dass jeder in diesen Abschnitten seine Stimme in sich ruhend spielt; Entfernung und Annäherung in unstetem Wechsel. (Instrumentalbesetzung)

Das Werk ist nach dem Roman “nosig” von Florian Bergmeier entstanden. (1999 Elfenbein Verlag. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages)

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